Schulverpflegung wird immer wichtiger

Der Verpflegung von Kindern in Kitas und Schulen messen Experten eine wachsende Bedeutung zu. Ob diese aber kostenfrei sein sollte und für alle gleich, darüber waren sich die Sachverständigen in einer Anhörung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft nicht einig.

Die Anhörung erfolgte auf Grundlage eines Antrags der Fraktion Die Linke, die von der Bundesregierung die Einrichtung eines Bundesprogramms zur Kita- und Schulverpflegung (18/8611) fordert. Danach sollen bundesweit alle Kindertagesstätten, allgemeinbildenden Schulen sowie Horteinrichtungen und Einrichtungen in der Tagespflege mit Ganztagsangebot eine beitragsfreie, altersgerechte, abwechslungsreiche und ansprechende Essensversorgung anbieten. Der Bund soll zur Finanzierung der Forderung ausreichend Mittel zur Verfügung stellen und mit den Bundesländern Vereinbarungen treffen, damit diese die Finanzmittel entsprechenden Einrichtungen zur Verfügung stellen. Für jedes Kind und jeden Jugendlichen soll eine Pauschale von 4,50 Euro pro Verpflegungstag veranschlagt werden.

Mittlerweile würden in Deutschland über sechs Millionen Kinder und Jugendliche schulische Ganztagsangebote nutzen. „Durch den Ausbau der Ganztagsschulen wird das Angebot der Verpflegung immer wichtiger“, stellte Alois Gerig (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, zu Beginn der Anhörung fest. Eine gute Qualität des Essens und der Nährstoffversorgung könne die körperliche und geistige Entwicklung der Heranwachsenden befördern und vor ernährungsbedingten Erkrankungen schützen. Schon früh werde auf diese Weise das Bewusstsein für die richtige Ernährung gefördert, spätere Gesundheitskosten könnten vermieden und gleichzeitig die Wertschätzung für gute Nahrungsmittel befördert werden. Werner Ebert von der Stadt Nürnberg konstatierte aus seiner Erfahrung, dass Kinder in Kitas und Schulen wenig über das Thema Landwirtschaft, Tierhaltung und gesundes Essen wissen. Auch komme es vor, dass Kinder ohne Frühstück in die Schule geschickt würden. Zudem habe sich das System der Versorgung von Schulen geändert: „Es wird in der Schule nicht mehr frisch gekocht.“ Ohne es konkret bewerten zu wollen, stellte Ebert fest, dass sich ein System von Zulieferern in Form von Catering-Services etabliert habe. In den Schulen werde das Thema Ernährung zudem als lästige Aufgabe empfunden. Die Stadt Nürnberg habe in dem Thema jedoch die Chance gesehen, die Versorgung der Bildungseinrichtungen zu verbessern und die regionale Landwirtschaft zu fördern. Die Kommune habe sich bis zum Jahr 2020 zum Ziel gesetzt, bei der Kita-Verpflegung einen Bioanteil von bis zu 75 Prozent und für Schulen von 50 Prozent zu erreichen. „Dadurch sollen regionale Kreisläufe gefördert und die Großstadt als Markt für Betriebe im Umland erschlossen werden“, sagte Ebert. Er plädierte dafür, die sogenannten DGE-Standards „verbindlicher zu machen“. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Qualitätsstandards für öffentliche Einrichtungen formuliert, die zur Orientierung öffentlicher Einrichtungen und Anbieter dienen sollen.

Dass die Schulverpflegung abwechslungsreich und gesund sein soll, darin seien sich alle einig, meinte Angelika Reiter Nüssle vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Doch kritisierte die Expertin den Ansatz des Antrags der Linksfraktion, der von oben nach unten Vorschriften machen wolle. Das Land Bayern setze hingegen darauf, dass auf lokaler Ebene Schulen, Eltern und Kommunen gemeinsam die Verpflegung organisieren. Zur Unterstützung habe das Land acht regionale Schulvernetzungsstellen eingerichtet, die die Verantwortlichen beraten und betreuen würden. Reiter Nüssle stellte fest, dass sich bereits dadurch laut Evaluationen die Qualität des Essens verbessert habe. Die Freiwilligkeit müsse der Grundsatz sein. Angelika Reiter Nüssle sah das Land Bayern auf einem guten Weg zur guten Verpflegung, aber es müsse noch mehr getan werden. In der Praxis würden zum Beispiel viele Schulen vor Zertifizierungen zurückschrecken, weil diese als zu kompliziert wahrgenommen würden, obwohl viele Einrichtungen alle nötigen Voraussetzungen dafür erfüllen würden.

Gute Erfahrungen habe Finnland mit der kostenlosen Kita- und Schulverpflegung gemacht. Marjaana Manninen vom Finnish National Board of Education stellte die präventive Wirkung heraus, denn zu viel Fett, zu viel Zucker, zu viel Übergewicht und schlechte Ernährungsgewohnheiten seien das Grundproblem in der Ernährung der Menschen in vielen Ländern. Diesen Problemen zu begegnen, sei eine wichtige volkswirtschaftliche Aufgabe, weil sich solche Angewohnheiten bis in das Erwachsenenalter auswirken würden. In dem skandinavischen Land werde ein unentgeltliches tägliches Schulessen von den Schulklassen eins bis neun gesetzlich garantiert. Kinder hätten darauf einen Anspruch, dem entsprechende Bildungsanbieter durch staatliche Subventionen nachkommen könnten. Die Bildungsträger seien jedoch frei, das Geld nach eigenem Ermessensspielraum einzusetzen. Die Wissenschaftlerin Anke Oepping von der Universität Paderborn sah die Einbettung der Verpflegung in pädagogische Konzepte als noch nicht gelungen an. Die DGE-Qualitätskriterien für die Schulverpflegung hob sie als eine gute Grundlage hervor. Oepping wies zudem darauf hin, dass die Organisation der Verpflegung nicht nach einem einheitlichen Schema erfolgen kann. So sei unter anderem die Struktur in der Kita-Verpflegung anders als in der Schulverpflegung. Im Hinblick auf die Akzeptanz von Schulessen unter den Kindern und Jugendlichen meinte die Wissenschaftlerin, dass diese nicht unbedingt mit der Freistellung der Mahlzeiten steigen müsse. „Auch stellt sich eine Qualitätsverbesserung durch kostenfreie Leistungen nicht ein, wenn die Infrastruktur vor Ort nicht stimmt“, sagte Oepping.

Ob mit einer Gießkanne oder doch lieber durch schulspezifische Maßnahmen die Verpflegung an Schulen und Kitas geregelt werden sollte, fragte Beate Proll vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg, wenn dadurch Bildungsgerechtigkeit gefördert oder herstellt werden soll. „In Hamburg ist die Ganztagsschule eher der Standard“, sagte Proll. Immer mehr Kinder und Jugendliche würden die Schulverpflegung nutzen. Die Hanseatin hob hervor, dass im Sinne des Konzeptes der selbstverantwortlichen Schule außerdem die Frage beantwortet werden müsse, wie viele von oben getroffene Maßnahmen notwendig sind. Kontinuität statt „Projekteritis“ forderte Sabine Schulz-Greve von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin e.V. in der Anhörung. Die Vernetzungstellen seien die Schnittstelle zwischen der Bildung, der Landwirtschaft und der Gesundheit und würden mit dem Ziel einer besseren Verpflegung alle „mit ins Boot nehmen“ wollen. Doch weil in den Ländern die Stellen nur auf Basis von Projekten laufen würden, stehe die Dauerhaftigkeit der Arbeit dadurch in Frage. In der Regel gebe es nur einjährige Förderungen, die eine stetige Arbeit und Personalplanung behindere. Fortschritte würden dennoch gemacht, weil im Rahmen von Ganztagsschulen das Mittagessen mittlerweile als Teil des Bildungsprogramms verstanden werde. „Das ist gut so“, sagte Schulz-Greve und forderte, dass alle Schulträger nach den DGE-Standards entsprechende Dienstleistungen ausschreiben sollten.

Aus juristischer Perspektive beleuchtete Johanna Wolff vom Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer eine Grundgesetzveränderung in Bezug auf die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern, die der Antrag der Linksfraktion erforderlich mache. Denn der Bund und die Länder sollen nach dem Konnexitätsprinzip die Ausgaben voneinander getrennt tragen, die aus ihrer Wahrnehmung der Aufgaben entstehen. Es gelte die Subsidiarität im Föderalismus zu beachten, die den Bundesländern die Hoheit über Bildungsfragen zuweise. Zwar dürfen laut Artikel 91b des Grundgesetzes der Bund und die Länder aufgrund überregionaler Bedeutung in Bildungsfragen zusammenarbeiten, jedoch müsse dann der Umfang der Kooperationsmöglichkeiten genau beschrieben werden. Das Kooperationsverbot im Bildungsbereich komplett aufzuheben, wie im Antrag vorgeschlagen, sei jedoch zu umfangreich und würde ohne Änderung des Grundgesetzes durch den Bundestag und den Bundesrat nicht gelingen. Auch müsste dafür eine politische Mehrheit gewonnen werden, die eher unwahrscheinlich zu organisieren sei.
(hib/EIS)

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/855363?link_position=digest&newsletter_id=24793&toolbar=true&xng_share_origin=email

Gute Schulverpflegung! Auch für Kitas?

Erstes Markenzeichen für gute Schulverpflegung

Wissenschaftliches Zentrum an der Hochschule Fulda hat Zertifizierungsverfahren für Lebensmittelzubereitungen entwickelt.

Welche gekühlten oder tiefgefrorenen Lebensmittelprodukte sich für eine gute Schulverpflegung eignen, soll künftig anhand des Markenzeichens „whatsEAT – Gute Schul-Catering-Produkte“ schnell zu erkennen sein. Das Wissenschaftliche Zentrum für Catering, Management und Kulinaristik (ZCMK) an der Hochschule Fulda hat dieses erste Label für gute Schul-Catering-Produkte entwickelt. Es zeichnet Lebensmittelprodukte aus, die einen für Kinder und Jugendliche günstigen Energie- und Nährstoffgehalt aufweisen, in Großküchen leicht zu verarbeiten sind und bei den Schülerinnen und Schülern gut ankommen. Getestet werden einzelne Komponenten wie frische Obstsalate, die entweder miteinander kombiniert werden oder frische Produkte ergänzen können, aber auch komplette Menüs, wie zum Beispiel Gemüselasagne oder Quinoa-Gemüse-Pfanne mit Süßkartoffeln und Ananas.

Das Markenzeichen basiert auf den Erkenntnissen mehrjähriger Forschungsarbeit des ZCMK zur Schulverpflegung und soll Mensabetreibern und Schul-Caterern die Auswahl aus der Fülle an Convenience-Produkten erleichtern. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planen, einen Baukasten mit kompletten Menüs und Komponenten zu entwickeln, aus denen ein mehrwöchiger Speiseplan zusammengesetzt werden kann.

Den Geschmack der Kinder und Jugendlichen treffen

Da es nicht in jeder Schule möglich ist, eine Frischküche anzubieten, greifen Mensabetreiber und Caterer auf vorbereitete Lebensmittel zurück. „Für die Gemeinschaftsverpflegung gibt es eine breite Palette hochwertiger Lebensmittelzubereitungen, doch nicht alles trifft den Geschmack von Kindern und Jugendlichen“, weiß Prof. Dr. Stephanie Hagspihl, Leiterin des ZCMK. „Damit ein Gericht angenommen wird, muss es der Zielgruppe schmecken. Wir wollen Caterer und Mensabetreiber künftig dabei unterstützen, die richtige Wahl zu treffen.“

Aufgrund der steigenden Zahl an Ganztagsschulen und zahlreicher Unterrichts- und Betreuungsangebote am Nachmittag nehmen immer mehr Schülerinnen und Schüler ihr Mittagessen in der Schule ein. „Vor diesem Hintergrund wird es zunehmend wichtiger, eine qualitativ hochwertige Gemeinschaftsverpflegung anzubieten“, betont die Wissenschaftlerin.

Zertifiziert werden Produkte, die ein dreistufiges Verfahren erfolgreich durchlaufen und sich für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen und damit für die Schulverpflegung als besonders geeignet erweisen. Für drei Jahre können sie das Markenzeichen „whatsEAT – Gute Schul-Catering-Produkte“ tragen.

Dreistufiges Zertifizierungsverfahren

Bewertet werden im ersten Schritt die Produktmerkmale: Wie sieht der Energie- und Nährstoffgehalt aus? Welche Lebensmittelzusatzstoffe sind enthalten? Wie steht es um die Genussqualität? Die Ergebnisse dieser Prüfungen fließen zu 38 Prozent in die Endnote ein. In der zweiten Bewertungsstufe untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie schnell und einfach sich das Produkt in der Gemeinschaftsverpflegung verarbeiten lässt. So prüfen sie anhand der Regenerationsempfehlungen etwa Handhabbarkeit, Temperatur, Portionsgrößen, Haltbarkeit und Hygiene. Zwölf Prozent des Gesamtergebnisses macht das aus. Und im dritten Schritt schließlich testen rund 100 Schülerinnen und Schüler das Produkt aus geschmacklicher Sicht in ihrer Schulmensa. Das Ergebnis dieses Akzeptanztests fließt zu 50 Prozent in die Gesamtbewertung ein.

20 Produkte verschiedener Hersteller haben das Zertifizierungsverfahren bereits durchlaufen. Für das kommende Semester ist der nächste Testzyklus mit weiteren zehn Produkten vorgesehen. „Die Hersteller reichen ihre Produkte zur Bewertung ein“, erläutert Prof. Dr. Stephanie Hagspihl das Verfahren. „Das Markenzeichen ist für sie Anreiz, sich dieser Zertifizierung zu unterziehen.“

Überblick und Wissen in einem Portal

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ZCMK wollen das Portfolio an zertifizierten Produkten laufend erweitern und so mit der Zeit ein breites Angebot aufbauen, aus dem Caterer und Mensabetreiber auswählen können. Bis Ende dieses Jahres soll ein Portal entstehen, das alle zertifizierten Produkte präsentiert. Auch die Kriterien, nach denen geprüft wird, werden hier im Detail einsehbar sein.

„Es geht uns darum, ein Höchstmaß an Transparenz zu bieten und so Vertrauen bei Eltern und Lehrkräften zu schaffen, aber auch darum, Wissen zu vermitteln“, erläutert Prof. Dr. Stephanie Hagspihl. Und so soll das Portal auch der Ernährungsbildung dienen: „Wir wollen Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer auch über eine gesunde Ernährung aufklären.“ Angedacht sind dafür Aktionstage und studentische Projekte in den Schulen.

Weitere Informationen:
zum Markenzeichen: www.hs-fulda.de/whatsEAT
zum ZCMK und dessen Forschung: www.hs-fulda.de/zcmk

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/855363?link_position=digest&newsletter_id=24793&toolbar=true&xng_share_origin=email

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

In der Kita sind Kinder auch nachmittags versorgt, doch die Einschulung wird besonders für Mütter zum Problem. Laut einem Medienbericht fehlen 555.000 Betreuungsplätze.

Für 44 Prozent aller Grundschulkinder gibt es kein Betreuungsangebot nach dem Unterricht. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Familienministeriums hervor, über die die Zeitung „Die Welt“ zuerst berichtete. Demnach meldet ein gutes Viertel der Eltern dieser Kinder dringenden Bedarf an einer Nachmittagsbetreuung an. Zusätzlich halten selbst 18 Prozent derjenigen, die schon eine nachschulische Betreuung haben, den Umfang nicht für ausreichend.

 Insgesamt bezifferten die Forscher den Bedarf auf
  • 280.000 Plätze ausschließlich für Kinder, die bisher kein Angebot haben.
  • Für 275.000 weitere Kinder wird ein erweitertes Angebot benötigt.

Somit fehlt eine Ganztagsbetreuung für 555.000 Grundschulkinder.

„Beim Übergang von der Kita in die Grundschule entsteht bereits jetzt eine Betreuungslücke, die viele Familien überfordert“, sagte Familienministerin Katarina Barley (SPD) der „Welt am Sonntag“. „Wenn beide Elternteile arbeiten, ist es dann meistens wieder die Frau, die beruflich zurücksteckt und sich nachmittags um die Hausaufgaben kümmert.“

Die Einschulung von Kindern wirkt demnach oft als Beschäftigungsbremse für Mütter. Die Prognose des Familienministeriums verweist auf eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2015. Danach arbeiten 96.000 Mütter mit Kindern zwischen sechs und zehn Jahren nur deshalb in Teilzeit, weil ein Betreuungsangebot für ihr Kind nicht verfügbar oder bezahlbar ist.

Vor allem nimmt den Angaben zufolge die Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag viel Zeit in Anspruch. In fast 90 Prozent der Familien unterstütze mindestens ein Elternteil die Kinder regelmäßig bei den Hausaufgaben. Ein Großteil des Zeitaufwandes werde durch die Mütter abgedeckt, die im Vergleich zu Vätern das 1,5-Fache an Zeit in die Betreuung der Kinder investierten.

Bei Kleinkindern haben Eltern bereits einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Die SPD setzt sich schon länger dafür ein, den Rechtsanspruch auch auf Grundschulkinder auszuweiten. Mittlerweile hat auch die Union diese Forderung in ihr Wahlprogramm aufgenommen.

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/851421?link_position=digest&newsletter_id=24704&toolbar=true&xng_share_origin=email

Die AWO in OWL sieht ihre 115 Kitas in Gefahr!

12.07.2017

Die AWO in OWL sieht ihre 115 Kitas in Gefahr, wenn die Finanzierungsbedingungen nicht grundlegend verbessert werden. Zur Unterstreichung der Dringlichkeit hat die AWO deshalb jetzt in ihren Kindereinrichtungen eine Unterschriftenaktion durchgeführt. Rund 3.600 Unterschriften von Eltern und Erzieher*innen wurden bisher gesammelt.

3.600 Unterschriften in OWL gesammelt

Zentrale Forderung der AWO ist ein neues Kita-Gesetz, das eine auskömmliche Finanzierung des Arbeitsfeldes sichert. Damit verbunden ist auch die Forderung nach einer kontinuierlichen Anpassung der Förderung an die Kostenentwicklung. Nur so kann die gute Qualität der pädagogischen Arbeit dauerhaft sichergestellt werden.

Klaus Dannhaus, AWO-Vorstandsvorsitzender: „Ein einmaliges Rettungspaket schafft nicht die notwendige, dauerhafte Planungssicherheit für Träger. Nur eine nachhaltige, verbesserte Finanzierung hilft hier weiter“.

Gespräch mit dem Kinder- und Familienminister geplant

Die AWO wünscht sich jetzt einen baldigen Gesprächstermin mit dem zuständigen NRW-Kinder- und Familienminister Wolfgang Stamp. Dabei sollen dann die Unterschriften aller vier Bezirksverbände in NRW übergeben werden. Aktuell sind es 30.000 Unterschriften.

Q:           https://www.awo-owl.de/details/rettung-fuer-unsere-kitas-jetzt.html

Unsere Kita s brauchen keine Legenden, sondern ein neues, auskömmliches und qualitätsförderndes Finanzierungssystem

So die ersten Anträge sind im Landtag angekommen. Es wird „beauftragt“ zu prüfen, zu handeln, zu entwickeln. Bitte nicht noch mehr Jahres verstreichen lassen. Die Notsituation ist gestern schon schlimm gewesen und sie wird aktuell nicht besser. Also schnell die Fachleute, die Elternvertretungen, die Landesvertreter/innen, die Träger, die Kommunen an einen Tisch holen und eine langfristige, belastbare, realistische Lösung erarbeiten.
https://www.landtag.nrw.de/…/dokument…/Dokument/MMD17-77.pdf
https://www.landtag.nrw.de/…/dokumen…/Dokument/MMD17-141.pdf

Düsseldorf: Eltern klagen über Personalmangel in Kita

rp-online.de
Düsseldorf: Eltern klagen über
Personalmangel in Kita
Tanja Karrasch (5-6 Minuten)
Die Eltern von Kindergarten-Kindern erhöhen den Druck auf das Jugendamt. Die Kitas in der Landeshauptstadt seien gut mit Erziehern ausgestattet, hatte die Behörde angegeben – viele Betroffene sehen das anders. Der Elternbeirat der städtischen Kindertageseinrichtung Sankt-Franziskus-Straße etwa hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach an das Jugendamt gewandt und mehr Hilfe gefordert.
Es fehlten Erzieher, sagen die Eltern. Stellen blieben monatelang unbesetzt, seit einem Jahr würden ständig neue Springer eingesetzt. In den Wintermonaten gab es mehrfach
Notdienst – die Kita blieb geschlossen. Und in der vergangenen Woche habe sogar das Abschiedsfest der Vorschulkinder abgesagt werden müssen – aufgrund Personalmangels. „Diese Personalsituation ist für alle unzumutbar“, sagt die Elternratsvorsitzende Olga Kajgana.

Vier Stellen unbesetzt!
Die Eltern haben sich angeschaut, wie viele Erzieher in jeder Gruppe laut Plan eingesetzt sein sollten und das mit der realen Situation verglichen. Zum 1. August werden demnach
insgesamt vier Stellen nicht besetzt sein: Zwei Gruppenleiter- Stellen, zwei Teilzeitstellen, eine davon als Fachförderkraft. Außerdem können 36 Stunden Einzelintegration nicht
stattfinden. „Das heißt, unsere Kita wird nur mit knapp zwei Drittel der im Stellenschlüssel vorgesehenen Erzieher die Kinder betreuen müssen“, sagt Antje Hirr vom Elternbeirat.
So lange haben die Kitas in der Region geöffnet Die Einrichtungsleitung wollte sich als städtische Institution nicht zur aktuellen Situation äußern. Jugendamtsleiter
Johannes Horn sieht die Situation anders: „Die Betreuung der Kinder in der Kita St.-Franziskus-Straße ist und war immer gesichert. Aufgrund von Personalfluktuation – Wegzug einer Kollegin und Weiterqualifizierung – müssen zum 1. August
neue Fachkräfte dort eingesetzt werden“, schreibt er. „Die Stellenbesetzungen erfolgen zeitgleich mit dem Weggang der bisherigen Stelleninhaberinnen.“ Zur Überbrückung von
Ausfallzeiten seien auch Springer im Einsatz, die erkrankte Mitarbeiter vertreten, so Horn.
Viel Fluktuation Auch an dieser Stelle sieht Olga Kajgana ein Problem: „Wenn
wir übergangsweise Unterstützung bekommen, haben sich die Düsseldorf:

Kinder gerade an eine Erzieherin gewöhnt und schon ist sie wieder weg.“ Darunter leide die Qualität der Betreuung und das Vertrauensverhältnis der Kinder zu ihren Erziehern werde beeinträchtigt.
Bei den städtischen Kindertagesstätten (diese Gruppe macht 102 der 300 Kindertagesstätten in Düsseldorf aus) waren zum Stichtag 11. Juli von insgesamt 1266,69 Stellen 57,77 nicht besetzt, das ist eine Vakanz von 4,5 Prozent. Als vakant gelten Stellen, die noch nicht wieder besetzt werden konnten oder bei denen ein Mitarbeiter längerfristig krankgeschrieben ist. Zum 1. August würden weitere externe Fachkräfte eingestellt.
Für das Jugendamt ist das eine positive Entwicklung. Die Situation habe sich im Vergleich zu 2016 verbessert. Erfreulich sei auch, dass das System mit Springern für den Notfall funktioniere, sagte Horn.
Gute Statistik, schlechte Praxis
Den Elternbeirat der Kita an der Sankt-Franziskus-Straße  jedoch stellt das nicht zufrieden, im Gegenteil: Horns Darstellung erzürnt die Eltern. Die Personalsituation in den
Kitas werde falsch dargestellt, finden die Eltern. „Das sieht vielleicht in einer Statistik gut aus, aber in der Kita nicht“, sagt Olga Kajgana. Von einer Bewerbung bis zur Einstellung
vergingen teilweise mehr als sechs Monate, in dieser Zeit müsse von dem bestehenden Personal die Arbeit aufgefangen werden. Wird ein Erzieher krank, ist die Not bei der ohne hin dünnen Besetzung noch größer. Das Personal an der Kindertagesstätte habe so bereits sehr viele Überstunden aufgebaut.

Kajganas Tochter wird nach den Sommerferien zu den Vorschulkindern gehören. „Uns wurde jetzt schon gesagt, dass Ausflüge und der Schwimmkurs für die Maxi-Kinder
ausfallen werden, sollte sich an der Personalsituation nichts ändern.“

Gütersloh erhält 180 neue Kita-Plätze (21.07.2017 NW-Gütersloh)

Gütersloh erhält 180 neue Kita-Plätze (21.07.2017 NW-Gütersloh)

Entlastung: An der Weserstraße und am Hüssengarten gehen kurz hintereinander zwei Einrichtungen mit bis zu 180 Plätzen in Betrieb. Die inhaltlichen Schwerpunkte stehen fest

Gütersloh. Nicht nur auf dem Wohnungsmarkt ist die Lage angespannt. Neben preiswertem Wohnraum fehlt es an einigen Stellen auch an Kinderbetreuungsplätzen. Sundern und Spexard sind Bespiele für den Mangel. Doch schon bald wird sich die Situation spürbar verbessern – an beiden Standorten, und sogar etwas eher, als ursprünglich vorgesehen. Insgesamt stehen dann bis zu 180 zusätzliche Betreuungsplätze zur Verfügung. Und neue Wohnungen sind auch im Bau.

Als erstes geht die Sunderaner Kita Falkenrecks Heide (Auf der Haar/Hüssengarten) in Betrieb. Wie Hannu Peters, Bereichsleiter der Trägerorganisation Kolping-Akademie für Gesundheits- und Sozialwesen gGmbH, mitteilte, nimmt das Betreuerteam am 1. August die Arbeit auf. Die Betreuung startet nach zwei Wochen am 14. August. Vorgesehen ist eine schrittweise Aufnahme der Kinder samt Eingewöhnungsphase.

Die Leitung der Kita übernimmt Ina Ammon. Kolping setzt laut Peters auf verschiedene inhaltliche Schwerpunkte, darunter sozial- und (inter-)kulturelle Bildung, ökologische sowie naturwissenschaftlich-technische Bildung, Bewegung und Kinderrechte. Die offizielle Eröffnung sei im Anschluss an die Eingewöhnungsphase geplant, teilte Peters mit.
Wie berichtet, tritt die Kolping-Akademie mit Sitz an der Friedhofstraße erstmals als Kita-Träger auf.

Das Unternehmen der Paderborner Kolping-Bildungswerk gGmbH hatte sich zwar bereits 2012 um die Trägerschaft der Tageseinrichtungen in Pavenstädt und Avenwedde beworben, jedoch keinen Zuschlag erhalten. Da sich für die neue Kita an der Weserstraße – für 2,2 Millionen Euro von der heimischen Immobilienfirma Oesterhelweg errichtet – kein privater Betreiber fand, übernimmt die Stadt diese Einrichtung. Damit erhöht sich der ohnehin schon hohe Anteil städtischer Kitas auf 22 von den insgesamt 52 Kitas.

Neues Konzept zur Sprachförderung der Kinder wird angewendet

Anvisierter Eröffnungstermin an der Weserstraße ist laut Sozialdezernent Joachim Martensmeier der 1. Oktober.
Wie in Falkenrecks Heide (Investor: Fa. Wolbeck) stehen auch in der Spexarder Kita maximal 90 Plätze in fünf Gruppen zur Verfügung. Es handelt sich um 20 U 3- und 70 Ü 3-Plätze. Die Anzahl der Beschäftigten variiere und richte sich nach dem Anteil der Teilzeitpädagoginnen, hieß es.

Inhaltlich setzt die Einrichtung die pädagogische Konzeption der städtischen Tageseinrichtungen um, zudem gibt es laut Martensmeier den Schwerpunkt Sprachbildung. „Die in den letzten Jahren gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Praxiserfahrungen zeigen, dass es vor allem eine systematische alltagsintegrierte Sprachbildung ist, die die sprachliche Entwicklung der Kinder fördert“, heißt es dazu beim NRW-Familienministerium.

Eine sprachanregende Umgebung im pädagogischen Alltag der Kindertagesbetreuung biete dafür viele Anlässe. Die umstrittene punktuelle Sprachstandserhebung mit Delfin 4 für Kinder in Kindertageseinrichtungen gibt es seit dem Kindergartenjahr 2014/2015 nicht mehr. Sie wurde abgelöst von entwicklungs- und prozessbegleitenden Beobachtungsverfahren. Was die Öffnungszeiten angeht, starten beide neue Kitas mit einem Betrieb zwischen 7.30 und 16.30 Uhr.

Was die Einrichtung im Neubaugebiet an der Weserstraße (Oesterhelweg baut hier 16 Sozialwohnungen) angeht, ist nach der Eröffnung eine Bedarfsabfrage unter den Eltern vorgesehen. Gegebenenfalls würden die Zeiten dann angepasst, so die Verwaltung. Ein neuer Anlauf für die Vergabe der Trägerschaft sei derzeit nicht geplant, sagte Martensmeier. Zunächst werde die von der Landesregierung angekündigte Neuregelung der Trägerfinanzierung abgewartet.

Information

Demnächst Pavenstädt

  • Laut Beschluss des Jugendhilfeausschusses bleibt auch nach Errichtung des Ersatzbaus die Trägerschaft der Kita Pelikanweg in Friedrichsdorf bei der Stadt. Die Inbetriebnahme ist für die erste Jahreshälfte 2019 vorgesehen.
  • Das Verfahren für eine weitere neue Kita in Pavenstädt wird laut Verwaltung nach Inkrafttreten des Bebauungsplans „Auf dem Stempel/Im Fenne“ fortgesetzt.
  • Verabschiedet wurde der B-Plan, der den Bau von 150 neuen Wohnungen umfasst, vorige Woche im Rat. Pläne für weitere Kita-Neubauten gebe aktuell es nicht.

 

Die Thematik: Trägervielfalt muss bezahlbar bleiben, zieht weite Kreise

Nicht nur im Stadtgebiet Gütersloh ist die Trägervielfalt ein wichtiger Bestandteil in der Wahlfreiheit der Eltern. Jedoch es muss bezahlbar bleiben. Aktuell sieht es nicht danach aus. Bereits im Februar wurde auf die Misere hingewiesen. Jetzt mehren sich die Stimmen auch aus anderen Kommunen. In diesem Fall aus Bielefeld.

Dies kann nachgelesen werden bei der NW.

http://www.nw.de/nachrichten/regionale_politik/21785916_Warum-immer-mehr-Traeger-in-NRW-um-ihre-Kitas-bangen-muessen.html

Am 01. Juni 2017 wird dieses Thema im Jugendhilfeausschuss diskutiert. Es gibt Befürworter, die es gerne sehen, wenn der Trägeranteil zu 100% übernommen wird und es gibt Ablehner, die sogar die freiwillige Leistung von nur dem 1/2 Trägeranteil noch weiter reduziert sehen wollen. Hauptsache die Bilanz stimmt. Was die Wahlfreiheit von Kita-Trägern betrifft wird nicht in Betracht gezogen.

Kita und frühkindliche Bildung wird eine Kostenstelle?

Wenn Prüfer/Prüferinnen ein Zahlenwerk sich ansehen, ist das die eine Sache.                 Garantiert wichtig und ok.

Wenn aber Prüfer/Prüferinnen hingehen und Empfehlungen aussprechen, dann frage ich mich, woher nehmen die Prüfer/Prüferinnen die Kompetenz und das fachliche KnowHow?

Wie können „Zahlenmenschen“ über die Kitas und Eltern urteilen, ohne den Alltag und die Bedürfnisse zukennen?

Wenn von „größerer Kostenkontrolle“ und „Das könnte sich rechnen.“ lese, dann frage ich mich:                                                                                                                                   Sind unsere Kinder nur noch Kosten? Wo ist die Investition in unsere Zukunft?

Zum Thema Kosten, haben wir uns einmal hingesetzt und versucht, so verständlich wie möglich die Finanzierungsanteile der unterschiedlichen Träger gegenüber zustellen und dies in einer Tabelle IST (die Stadt Gütersloh übernimmt freiwillig den Halben-Trägeranteil) und in einer Tabelle SOLL (die Stadt Gütersloh übernimmt freiwillig den Vollen-Trägeranteil).

Wir waren sehr erstaunt, dass in allen Modellen die Kostenbelastung der Stadt am größten ist. Soviel zu dem Thema „Das könnte sich rechnen“

2017-05-04_Finanzierung12017-05-04_Finanzierung2

Trägervielfalt in Gütersloh! Ja oder Nein, das ist hier die Frage?

Quo vadis Gütersloh?

Wenn fast alle kirchlichen und freien Träger Ihre Kostenentwicklungen offen legen und in verschiedenen politischen Sitzungen und Gremien dies darstellen, wie die Kosten sich entwickeln und dies zunehmend zum Nachteil der kirchlichen und freien Träger.

Dann müssen doch Lösungen erarbeitet werden, dass dieser Zustand zum Besseren geändert werden muss und nicht eine Empfehlung ausgesprochen wird, es genau anders herum zu tätigen.

Was wäre die Konsequenz?

Das Kitas von kirchlichen und freien Träger nicht mehr finanziert werden können und  diese an die Kommune abgegeben werden.

Ist das die Lösung des Dilemas? NEIN!

Wenn wir weiterhin gute und von den Eltern auswählbare Kitas haben wollen, so muss die Lösung Trägervielfalt heißen und nicht in einem worst case das es nur 1 Träger gibt, die Kommune. Zwei Artikel aus der NW vom 25.02.2017 und vom 27.04.20172017-04-27_NWNW-25-02-2017